Die alte Wiener Stadtbahn - Eine Fehlkonstruktion?

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Offline Vineyard

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Beim Studieren des entsprechenden Wikipedia Artikel, sowie anderen Publikationen, hat sich bei mir vermehrt der Eindruck aufgebaut, dass die alte Wiener Stadtbahn im Prinzip eine Fehlkonstruktion war.

- Die Stationen waren nicht unbedingt optimal bzw. eher militärstrategisch als personenverkehrsbezogen geplant.
- Die ursprüngliche Technik war veraltet. (Dampfbetrieb statt Strom)
- Sie war von Anfang an mit dem Straßenbahnnetz nicht wettbewerbsfähig. (Selbst auf Parallelstrecken.)

Hinzu kommt noch ein politischer Zuständigkeitshick hat, der aber durch den Untergang der Donaumonarchie und lokalpolitschen Änderungen verursacht wurde.

Was meint ihr?
« Letzte Änderung: 25.07.2021, 23:43:17 von Vineyard »

Offline strb

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Antw:Die alte Wiener Stadtbahn - Eine Fehlkonstruktion?
« Antwort #1 am: 25.07.2021, 22:00:06 »
Ich glaube es spielen mehrere Faktoren zusammen wenn man sich die damaligen Pläne so ansieht.

Dass militärstrategische Überlegungen immer einer Bahnlinie zugrunde liegen, war damals so üblich und nicht weiter verwunderlich. Außerdem erfüllten die Stadtbahnen ja auch den Zweck, die Bahnstrecken betrieblich miteinander zu verbinden (deswegen wurde ja auch die Vorortelinie nie abgegeben).

Der Dampfbetrieb kam wohl deswegen zustande, da ja Anschlussverkehre ins Umland geplant waren und da eine komplette Elektrifizierung wohl schlicht zu teuer gewesen ist.
Dass damit natürlich die Stadtbahn als altmodisch und verrußt daherkam, trug gemeinsam mit dem teureren Tarif gegenüber der Straßenbahn natürlich nicht wirklich zu ihrem Erfolg bei.

Offline Nussdorf

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Antw:Die alte Wiener Stadtbahn - Eine Fehlkonstruktion?
« Antwort #2 am: 26.07.2021, 18:31:06 »
Hat jemand noch Unterlagen, die einen Vergleich der Fahrzeiten z.B. am Gürtel ermöglichen?

Offline SchienenWolf

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Antw:Die alte Wiener Stadtbahn - Eine Fehlkonstruktion?
« Antwort #3 am: 27.07.2021, 22:38:55 »
Kann man so gar nicht sagen; wie bereits erwähnt diente einmal die Stadtbahn als Verbindung zwischen den verschiedenen Bahnlinien in Wien, weiters gab es auf der damaligen Dampfstadtbahn auch weitergehende Züge (also über bspw. Hütteldorf hinaus), die Strecken dienten nicht nur den Personenverkehr (sogar auf der Gürtellinie gab es einen Güterverkehr, der letzte dampfgeführte Zug auf der Gürtellinie war eine Bedienung zu einen Kohlenhändler in Michelbeuern), das Stadtbahnnetz war größer als Gürtel-/Wientallinie-/Donaukanal- und Vorortelinie, dazu gehörte auch die damals als "Verbindungsbahn" bezeichnete Strecke die in etwa der heutigen S-Bahnstammstrecke entspricht*, weiters gab es einen Personenverkehr damals auf der Donau-Uferbahn.
Was die Traktionsform betrifft: als die Stadtbahn eröffnet wurde (1898), gab es noch keine elektrifizierten Vollbahnen in Österreich (die erste Vollbahn mit elektrischen Betrieb mit Wechselstrom war die Mittenwaldbahn 1912, und ab 1914 die Überlandstrecke der Preßburgerbahn), die damaligen KKStB wollten diese Bahn als Vollbahn auch im Betrieb führen, eine "Insellösung" mit Gleichstrom** (was damals technisch möglich gewesen wäre) wurde daher auch abgelehnt.
Der eigentliche "Fehler" war dann das Heraustrennen von Gürtel-, Wiental-, und Donaukanallinie aus diesen Netz, und dann die weitere Entwicklung (Literaturtipp: "Wagners Werk für Wien", Verlag Slezak, wo die Geschichte der Wiener Stadtbahn umfangreich erklärt wird)(leider nur mehr antiquarisch zu bekommen).

* der damalige Streckenverlauf war, von Meidling Südbahn(heutiger ÖBB-Bf.) kommend nach dem Matzleinsdorferplatz folgender: durch den Steudeltunnel ging es zunächst zum Bahnhof "Favoriten", durch den Arsenaltunnel ging es zur Haltestelle "Arsenal", beim Gürtel wurde die heutige Trasse erreicht, Wien Mitte/Landstraße hieß damals "Hauptzollamt" (und war Verknüpfung zu Wiental- und Donaukanallinie), dann gab es damals noch die Haltestelle "Radetzkyplatz", und am Praterstern die Haltestelle "Praterstern" (die Stadtbahnzüge fuhren NICHT in den Nordbahnhof).
**der Probebetrieb mit Gleichstrom war ein zeitlich begrenzter Versuchsbetrieb

Online Linie 255

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Antw:Die alte Wiener Stadtbahn - Eine Fehlkonstruktion?
« Antwort #4 am: 31.07.2021, 17:23:04 »
Hier ein Plan aus den Jahre ca. 1900.

Würde durch die Elektrifizierung nicht die Spaltung von uns heute bekannte S-Bahn und Stadtbahn/U-Bahn gegeben, gäbe es heute nicht nur eine Stammstrecke durch Wien.

Quelle: Wikipedia

Offline gottfried

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Antw:Die alte Wiener Stadtbahn - Eine Fehlkonstruktion?
« Antwort #5 am: 02.08.2021, 13:13:53 »
Hier ein Plan aus den Jahre ca. 1900.

Würde durch die Elektrifizierung nicht die Spaltung von uns heute bekannte S-Bahn und Stadtbahn/U-Bahn gegeben, gäbe es heute nicht nur eine Stammstrecke durch Wien.

Quelle: Wikipedia

Ja, Kollege,

Da hätten wir eine stammstrecke Meidling- verbindungsbahn-Wien-Mitte-Donaukanal-Heiligenstadt und Hütteldorf-Wien-Mitte-Praterstern-Floridsdorf, sowie beim ürsprünglich gedachten ausbau der Gürtellinie eine tangentiallinie über den gürtel mit diversen destinationen und linienvarianten!

Lg gottfried
« Letzte Änderung: 02.08.2021, 16:23:23 von 24A »

Offline gottfried

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Antw:Die alte Wiener Stadtbahn - Eine Fehlkonstruktion?
« Antwort #6 am: 04.08.2021, 14:11:16 »
Hat jemand noch Unterlagen, die einen Vergleich der Fahrzeiten z.B. am Gürtel ermöglichen?

Hi, Kollege,

Die fahrzeit am Gürtel betrug bei der dampfstadtbahn von Nussdorfer Strasse nach Meidling Hptstr.  18 Min., heute mit zwei zusätzlichen stationen  bis Längenfeldgasse 14 min.

Ich hätte zu hause eine komplette sammlung von fahrplänen des wiener nahverkehrs, einschliesslich stadtbahn von 1914, kopiert in den 70er jahren aus einem kursbuch in der ÖNB.
Wollte es Dir hier schicken, hat jedoch von der TU Karlsplatz weg offenbar nicht funktioniert.
Werde versuchen, das betreffende kursbuch noch an der ÖNB, ev. mit ANNO zu finden.
Wenn Du Dir die zugläufe anschaust, werden Dir die augen aufgehen, was auf der alten stadtbahn einmal herumgefahren ist!

Lg Gottfried



Offline gottfried

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Antw:Die alte Wiener Stadtbahn - Eine Fehlkonstruktion?
« Antwort #7 am: 04.08.2021, 14:45:42 »
Hat jemand noch Unterlagen, die einen Vergleich der Fahrzeiten z.B. am Gürtel ermöglichen?

Hi, Kollege,

Gottfried nocheinmal,
Habe was gefunden!

Titel
Österreichisches Kursbuch 1914 : Eisenbahnkurse in Österreich
Verantwort.angabe
hrsg. vom Postkursbureau des k.k. Handelsministeriums
Ort/Verlag
Wien : Slezak
Jahr/Datierung
1980
Umfang/Illustr./Format
440 S.; graph. Darst.
Sprache
Deutsch
Ausgabe
Nachdr. d. Ausg. Wien, Aug.-Sept. 1914.
Schlagwörter
Österreich-Ungarn Eisenbahnverkehr Tabelle
Österreich-Ungarn  Verkehr
Österreich-Ungarn  Fahrplan
ISBN/ISSN/ISMN
ISBN: 3900134650
Signatur/Inv-Nr. etc.
1182875-B NEU MAG
Zitierlink
http://data.onb.ac.at/rec/AC00211164

Lg Gottfried

Offline gottfried

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Antw:Die alte Wiener Stadtbahn - Eine Fehlkonstruktion?
« Antwort #8 am: 17.08.2021, 13:01:35 »
Hat jemand noch Unterlagen, die einen Vergleich der Fahrzeiten z.B. am Gürtel ermöglichen?

Hi, Kollege,

Zu alten fahrplänen auf der gürtelstadtbahn:

Habe auch etwas an der TU Karlsplatz gefunden:etails
Titel
Österreichisches Kursbuch 1914 : Eisenbahnkurse in Österreich
Verfasserangabe
hrsg. vom Postkursbureau des k.k. Handelsministeriums
Ausgabe
Nachdr. d. Ausg. Wien, Aug.-Sept. 1914.
Verlag
Wien : Slezak
Erscheinungsjahr
1980
Umfangsangabe
440 S., graph. Darst.
ISBN/ISSN
ISBN 3900134650
Sprache
Deutsch
Schlagwörter
Österreich-Ungarn  Eisenbahnverkehr  Tabelle
Österreich-Ungarn  Verkehr
Österreich-Ungarn  Fahrplan
TU Wien Systematik
ALL:260 AUT:--- ---:--- Kursbücher, Fahrpläne Österreich
ALL:
Zitierlink
https://permalink.catalogplus.tuwien.at/AC00211164
Quelle
TU Wien Bibliothekssystem
AC-Nummer
AC00211164

Bibliothek, freihand, 1.stk., derzeit geschlossen, ansonst gibt esim zugang, erdgeschoss einen scanner.
Lg Gottfried